Herzstück Büroplanung: Licht, Farbe, Akustik.


Farben-, Design- und Lichtkonzepte gelten vielen Menschen als Luxus, Deko oder Zierrat bei der Inneneinrichtung. Etwas, das man sich leisten darf, wenn man es sich leisten kann. Dabei haben Design, Farben und die Lichtgestaltung eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf Mitarbeiter wie Kunden. Und: Warum Büros einfach „irgendwie“ einrichten, wenn schön nicht unbedingt teurer, sondern nur mit Geschmack und Bedacht ausgesucht und zusammengestellt ist?

Farben in der Büroplanung gezielt einsetzen.

Farben sind die wohl stärksten Player in der Innenraumgestaltung. Ein rot akzentuierter Raum, eine blaue Wand – durch Farben können Sie Räume vergrößern oder verkleinern. Mit Farben versenden Sie aber auch gleichzeitig nonverbale Botschaften, und Farben haben darüber hinaus psychische Wirkungen, die Sie gezielt in Ihr Farbkonzept integrieren können. 

Farbe verändert die Raumwirkung.

Ob zu klein, zu groß, zu hoch, zu niedrig – mit einem geschickten Farbkonzept können Sie die Wirkung Ihrer Räume gezielt verändern. Wirkt das Büro bedrückend klein? Helle Farben lassen den Raum größer erscheinen. Kühle Farbtöne verstärken übrigens den Effekt. Wände gestrichen in warmen Farben, rücken gefühlt auf den Betrachter zu. Ist der Raum sehr hoch? Bleiben Sie bei hellen Wänden, aber wählen Sie für die Decke eine dunklere Farbe. Optisch erscheint sie dann niedriger. Bei niedrigen Decken drehen Sie das Prinzip einfach um und streichen die Decke auf jeden Fall heller als die Wände. Damit erweitern Sie den Raum nach oben. Grundsätzlich gilt: Farbe zieht den Blick an und verleiht dem Raum Struktur. Große, luftige Räume vertragen kräftige Farben. 

Die Botschaft von Farben in der Büroplanung nutzen.

Farben wirken auf zweierlei Weisen. Symbolisch, als nonverbale intuitiv verstandene Botschaften, und psychisch, indem sie uns in bestimmte Stimmungen versetzen. Rot wie die Sünde, Weiß wie die Unschuld, schwarz wie der Tod – traditionell verknüpfen wir Farben mit bestimmten Eigenschaften, verstehen sie als Botschaften. Die Bedeutungen sind kulturell gelernt. In Asien z. B. gilt weiß als die Farbe der Trauer. Überall, wo es darum geht, die eigene Wirkung auf andere zu optimieren, bedienen sich Menschen intuitiv eines kulturell geprägten Farbcodes. Mit einem roten Kleid erscheint man in der Regel nicht zufällig im Büro. Blau – das wir mit Sachlichkeit und Seriosität verbinden – dominiert die Farbe von Anzügen. Auch im Raumdesign können Sie mittels Farben nonverbal mit Kunden und Mitarbeitern kommunizieren. 

Rot z. B. erzeugt Aufmerksamkeit. In China gilt es als Glücksfarbe. Es ist die Farbe des Blutes, des Herzens, der Liebe, des Lebens. Rot wird mit Mut, Kraft, Leidenschaft und Dynamik in Verbindung gebracht und deshalb manchmal auch als dominant empfunden. Rote Elemente im Bereich des Empfangs z. B. vermitteln Ihren Kunden, dass es sich bei Ihrer Firma um ein dynamisches, leistungsorientiertes Unternehmen mit viel Power und Leidenschaft handelt. Blau ist die Lieblingsfarbe in Anwaltskanzleien. Es wird mit Sachlichkeit, Seriosität, Autorität und Vertrauenswürdigkeit in Verbindung gebracht. 

Wo man betonen möchte, dass einem Kunden und Klienten ganz besonders willkommen sind und sich auf Herzlichkeit und Wärme einstellen können, wird häufig Orange gewählt. Es steht für Energie, Freude und Wärme und wird als einladend, jung und fröhlich verstanden. Ähnlich übrigens wie Gelb, die heitere Farbe der Glücklichen und Optimisten. Grün – die Naturfarbe – erinnert uns an Wälder und Wiesen und wird mit Lebendigkeit und Natürlichkeit assoziiert. Während Violett z. B. mit Phantasie, Individualität und Originalität in Verbindung gebracht wird. 
 

Die psychologische Wirkung von Farben.

Farben erzeugen Stimmungen, Gefühle - regen an oder entspannen. Wissenschaftler sagen, in der psychischen Farbwahrnehmung gebe es keine großen individuellen Unterschiede. Niemand empfinde beispielsweise Rot als kalt. Die psychologische Wirkung von Farben soll in Amerika entdeckt worden sein. Während des zweiten Weltkriegs arbeiteten dort viele Frauen in der Rüstungsindustrie. Sie litten unter den dunklen, schmutzigen Fußböden der Produktionshallen. Die grauen Maschinen und die kalkweißen Wände waren ihnen besonders unbehaglich. Die Folge: Fehlschichten und Ausschuss lagen weit über dem Durchschnitt. Farbforscher vermuteten einen Zusammenhang zwischen Farbkonzept und Ausschuss. Damit begann die wissenschaftliche Erforschung der Zusammenhänge von Farben und Arbeitsleistung. Gleichzeitig kam eine farbenfrohe Gestaltung von Büroflächen und Produktionsstätten in Mode.

Was hat die Wissenschaft inzwischen rausgefunden?

Rot aktiviert und das ganz buchstäblich:  Es regt den Kreislauf, den Stoffwechsel und das Immunsystem an. In Räumen sollte Rot deshalb nur als Akzent eingesetzt werden, denn zu viel Rot macht unruhig. 

Orangefarbene Räume – so die Psychologen, fördern die Geselligkeit und wirken gemütlich. Orange gilt deshalb als ideale Farbe für Pausenräume und Räume der entspannten Begegnung. Außerdem macht es sich überall dort gut, wo es wenig Tageslicht gibt.

Gelb dagegen fördere Konzentration, Kreativität und wirke anregend auf Unterhaltungen. Es wird gerne ausgewählt für Konferenzräume. 

Was die Förderung von Innovation und Kreativität betrifft, so ist – laut einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München – allerdings grün in seiner Wirkung ungeschlagen. Außerdem wirke grün vitalisierend und erfrischend. Eine grüne Wand helfe sich zu konzentrieren und – besonders interessant – sie beruhige, ohne zu ermüden. 

Blau soll Sprachfähigkeiten und klares Denken fördern – klarer Konkurrent mit Gelb im Konferenzraum. Es wird aber auch gerne in Räumen eingesetzt, die der Entspannung dienen. Türkisfarbene Räume wirken dabei kühl, aber persönlich. 

Rosa übrigens wirkt unschlagbar besänftigend. Der Hit aus Amerika und inzwischen verbreitet in Gefängnissen weltweit: die vollrosa gestrichene Beruhigungszelle. Nur 15 Minuten braucht es angeblich, einen Häftling darin von fuchsteufelswütend  in lammfromm zu verwandeln. 

Weiß übrigens ist die ideale Kombinationsfarbe.  Es neutralisiert, hellt auf und belebt. Während Grau als die Farbe vollkommener Neutralität und Zurückhaltung gilt. Es ist unauffällig und wird auch mit Langeweile, Unsicherheit und Lebensangst in Verbindung gebracht. Graue Businessanzüge stellen die Individualität zurück und wirken nüchtern. In Räumen sollte Grau nur als Kombinationsfarbe eingesetzt werden. 

Brauntöne – Erdfarben. Sie vermitteln Geborgenheit und materielle Sicherheit. Braune Räume wirken rustikal, beruhigend und ausgleichend. Erdtöne wie Ocker oder Siena können in nahezu allen Räumen eingesetzt werden.

Farbakzente können Sie natürlich nicht nur durch Wandfarben setzen, sondern auch durch Sofas, Vorhänge, Pflanzen oder andere Accessoires. 

Lichtkonzept in der Büroplanung.

Lichtplanung im Büro bedeutet natürlich und zu allererst die fachgerechte Beleuchtung von Arbeitsplätzen. Dafür gibt es ein paar Grundregeln: Je mehr Tageslicht, desto besser. Es fördert die Leistungsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Motivation Ihrer Mitarbeiter. Fenster sollten groß und günstig angeordnet sein. Bildschirme sollten quer zum Fenster stehen, um Reflexblendungen zu vermeiden. Und natürlich sollte die Arbeitsplatzbeleuchtung leistungsstark sein und den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. 

Darüber hinaus ist die Beleuchtung allerdings auch ein wichtiges Gestaltungsmittel der Inneneinrichtung. Licht und Farbe gemeinsam sorgen – mit Bedacht eingesetzt - für attraktive Proportionen im Raum. Achten Sie darauf, dass Ihr Beleuchtungskonzept die Architektur unterstützt. Das Licht sollte vorhandene Strukturen unterstreichen, oder betont arhythmische Akzente setzen. Im Zusammenspiel mit der richtigen Farbe kann das Lichtkonzept Räume neu und spannend definieren. 

Tipps und Tricks mit Licht.

  • Mehr Höhe: Wenn Sie Licht auf den oberen Bereich einer Wand bringen, dann verleihen Sie dem Raum mehr Höhe. Das ist möglich mit Deckenflutern, Wandleuchten oder auch sogenannten Vouten. Das sind Simse, die knapp unterhalb der Decke verlaufen. Eingebaute LEDs sorgen für eine gleichmäßige Lichtverteilung.
  • Nur ein Deckenauslass: Sie haben nur einen Deckenauslass in der Raummitte? Wählen Sie Seil- oder Schienensysteme. Die bringen das Licht überall hin.
  • Eine einzige Deckenlichtquelle: Ein einziges Licht von oben lässt die Wände näher rücken und den Raum kleiner wirken.
  • Mehrere Lichtquellen: Stehleuchten, Tischleuchten – mehrere Lichtquellen verleihen einem Raum mehr Spannung. Akzentbeleuchtung lenkt den Blick des Betrachters – z. B. auf Bilder, Möbelstücke oder eine spannende Wandstruktur.
  • Hohe Räume: Das Licht bei sehr hohen Räumen sollte nur auf die seitlichen Wände gerichtet sein. So wirkt die Decke niedriger und der Raum erweitert sich seitlich.
  • Allgemeinlicht: Achten Sie darauf, dass es dimmbar ist. Dann können Sie es je nach Bedarf regeln.
  • Grundbeleuchtung: Lichtdecken, Vouten oder breit streuende Einzelleuchten spenden eine angenehm-diffuse, gleichmäßige Grundbeleuchtung.
  • Strukturen schaffen: Bringen Sie verschiedene Leuchten in unterschiedlichen Höhen an. Damit verwandeln Sie einen großen Raum in eine Reihe miteinander verbundener und doch einzelner Bereiche.

Akustik – schon im Raumkonzept einplanen.

Lärm ist der erste Faktor, der Unternehmern und Angestellten einfällt, wenn es um Störquellen im Großraumbüro geht. Die gezielte Planung der Raumakustik ist deshalb schon in der Planungsphase von zentraler Bedeutung bei der Einrichtung von Büroflächen, und natürlich auch von Konferenzräumen und Besprechungszimmern. Im Mittelpunkt steht die Reduzierung der sogenannten Nachhallzeit. Das ist die Zeit, die zwischen Erklingen eines Schalls und dessen Abklingen vergeht. Je länger, desto schlechter natürlich – da vermischen sich dann Gespräche, Tastengeklapper und mehr zu einer nervtötenden Geräuschkulisse, die in Großraumbüros schnell bis zu 70 Dezibel erreichen kann. Zum Vergleich: Ein Presslufthammer schafft etwa 90 Dezibel. Aber: Abhilfe ist möglich. Absorbierende Elemente können Nachhallzeiten beträchtlich verringern.

Beispiele für absorbierende Elemente: 

  • Dekoration der Fensterbank (Blumentöpfe z. B. schlucken Schall)
  • Sonnenschutzsysteme (möglichst viel Faltenwurf, z. B. Raffrollos, es gilt: je mehr Oberfläche, desto besser)
  • Vorhänge oder Deko-Schals (je dicker, desto besser)
  • hochflorige Teppiche (Baumwollteppiche absorbieren mehr Schall als Kunstfasern) 
  • Holzpaneele an Decken, Wänden oder Schrankfronten 
  • Polstermöbel (Sofas, Liegen oder Sessel – Stoffe sind dabei absorbierender als Leder) 
  • große Kissen Sesseln oder Sofas
  • sogenannte Akustikbilder (das sind Rahmenkonstruktionen mit speziellen Absorbereinlagen)