Alles steht still. Endlich Zeit zum Aufräumen!

  • Carsten Klesatschek | 11. Juni 2020

Alles steht still. Endlich Zeit zum Aufräumen!

Seit jeher empfehlen es die großen Philosophen und zur Zeit bleibt uns auch gar nichts anderes übrig: im Negativen sollen wir uns – einfach oder nicht – auf das Positive konzentrieren. Zumindest mal für ein paar Stunden.

Die Welt scheint wie eingefroren. Die Natur bereitet sich – noch verborgen unter Gras und Laub vom letzten Jahr – ganz leise auf den Frühling vor. Und wir sitzen zu Hause und tun dasselbe. In der Hoffnung, dass es dann nach Ostern wieder losgeht: Mit den Tulpen, den Narzissen und unseren eigenen Projekten (und Freizeitaktivitäten und echten Treffen mit echten Freunden! Yeah! (mit genügend Abstand natürlich…).

Positiv heißt jetzt: Nutzen wir die Zwischenzeit. Zwischenzeiten eignen sich prima zur Standortbestimmung, zur Rückschau und zur Vorschau und – zum Aufräumen. Egal, wohin wir unsere Schritte künftig lenken, jetzt ist Zeit, Ballast abzuwerfen. Auch im Büro.

Das Schlimmste zuerst: der Bürocontainer.

Mit einem Bürocontainer ist es wie mit der berühmten Damenhandtasche, oder genderneutral der Retro-Umhängetasche oder für die Kreuzberger: wie mit der Fahrradtasche. Es sammelt sich am Boden lauter Zeug, das einmal wichtig war, aber schon lange nur noch mit überflüssigem Gewicht unseren Alltag beschwert.

Arbeitsumgebung 

Unsere Arbeitsumgebung soll uns unterstützen, sie soll uns versorgen mit allem, was uns bei der Erreichung unserer Ziele weiterbringt – vom funktionstüchtigen Bleistiftanspitzer, über das kluge Fachbuch, bis zum gerahmten Familienbild oder Glücksbuddha. 

Sortier mich! Putz mich! Erledige mich!

Alles, was uns nicht unterstützt ist Füllmaterial: Es zwingt uns zu suchen, zu wühlen, manchmal piekst es oder noch schlimmer, es klebt. Dabei redet es unablässig mit scharfer Stimme auf uns ein: Sortier mich! Putz mich! Erledige mich! Räum mich endlich auf! Tun wir ihm den Gefallen: jetzt.

Zwischen wirklich Wichtigem und Unwichtigem unterscheiden

Jetzt ist eine gute Gelegenheit, lange Liegengelassenes in die Hand zu nehmen – z. B. die Papierstapel. Gehen Sie dem unbehaglichen Gefühl mutig auf den Grund: Verbirgt sich zwischen all den Blättern noch wirklich Wichtiges. Oder kann einfach alles weg. Welche Zeit als diese ist besser geeignet, um zwischen wirklich Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden.

Leere schafft Raum für Neugier.

Im fernen Osten, aus dem auch Marie Kondo, die Aufräumkönigin kommt, gibt es die Idee – dass man Platz machen muss, wenn etwas Neues ins Leben kommen soll. Leere erzeugt so ein Gefühl von Neugier, den Wunsch, sie zu füllen, unser Leben neu zu gestalten. Schaffen wir Leere.

Sparking Joy

Marie Kondo zeigt, wie das geht. Zum Beispiel mit der Methode "Sparking Joy". Klingt speziell, hat sich aber als höchst wirksam erwiesen. Übertragen auf die Bürosituation heißt das: Räumen Sie zunächst ihren gesamten Schreibtischinhalt auf die Schreibtischplatte. Inklusive allem, was sich in den Rollcontainern verbirgt.

Stellen Sie dann einen großen Papierkorb bereit. Und nehmen Sie jetzt jedes einzelne Stück in die Hand. Was fühlen Sie? Freude? Dann darf es bleiben. Keine Freude? Dann darf es gehen – in den Papierkorb. 

Dankeschön

Zwei Drittel aller Dinge, so Marie Kondo, verabschieden sich auf diese Weise aus ihrem Leben. Noch leichter geht das mit einem "Dankeschön." Nicht nur etwas für spirituelle Menschen. Probieren Sie es aus: Sagen Sie Danke zu einem alten Bleistift, mit dem Sie einen wichtigen Entwurf gestaltet haben. Oder zu einem Stapel Post-its, weil sie nur noch mit Online-Organisations-Tools arbeiten.

glücklich und aufgeräumt

Was zunächst merkwürdig klingt, erleichtert nicht nur den Abschied. Es ist auch eine Art, wertschätzend mit dem eigenen Besitz umzugehen. Übrig bleibt, was Sie wirklich brauchen und was Ihnen wirklich Freude bereitet: Und wer sich nur noch mit Dingen umgibt, die ihn glücklich machen, ist selber glücklich und aufgeräumt, so die Logik der Aufräum-Expertin.

Übrigens: Wer sich mit Maries Methode etwas schwer tut, kann auch zur 3-Kiste-Methode greifen: In Kiste 1 kommt das, was Sie aufheben wollen. In Kiste 2 legen Sie alles, was andere vielleicht noch brauchen könnten, und in Kiste 3 kommt alles, was weg kann. Und dann der Extra-Trick: Lagern Sie all jene Dinge aus Kiste 1, die sie gerade nicht brauchen, einfach ein halbes Jahr auf dem Dachboden. Dann neu durchschauen.

Immaterielle Stressoren ausmisten.

Wenn Sie alles Materielle nach diesem System bearbeitet haben, nehmen Sie sich aller immateriellen Stressoren an.

Schon gewusst? Selbst wenn Sie den Lärm kaum mehr hören, den ein ständig telefonierender Kollege neben ihnen verursacht – Ihr körperliches System reagiert weiter mit Stress. Bei Versuchspersonen, die an einer großen Straße schliefen, konnte ein deutlich erhöhter Kortisolspiegel gemessen werden, obwohl sie selbst den Lärm nicht mehr wahrnahmen und ihren Schlaf als befriedigend bewerteten. 

Lärmpegel? Lichtverhältnisse? Atmosphäre?

Nehmen Sie sich ein Blatt Papier und listen Sie alles auf, was an Ihrem Arbeitsplatz für Reibungsverluste sorgt. Lärmpegel? Lichtverhältnisse? Atmosphäre? Oft nehmen wir zuviel hin, weil wir meinen, diese Probleme seien nicht so wichtig oder nicht lösbar.

Mit etwas Querdenken aber ist in der Regel jedes Problem – naja – zumindest gemildert: Gegen Lärm am Arbeitsplatz helfen z. B. schallschluckende Materialien (Vorhänge, Bilder, Teppiche), ein Headset oder wenn möglich die Anschaffung von Telefonboxen oder eine räumliche Umgruppierung.

Was Licht betrifft, hilft es, sich zunächst klarzuwerden, wieviel und welche Art Licht Sie brauchen. Manche Menschen bevorzugen es sehr hell am Arbeitsplatz, anderen genügt eine einzelne Leuchte. Arbeitsplatzabhängige Leuchten und Dimmer sind die Lösung.

Leere mit Glück füllen.

Papierkörbe sind entleert, aller Ballast ist abgeworfen, die Leere ist da und lädt das Neue ein. Zeit für die Frage, was soll denn neu ins Arbeitsleben hineinkommen?

Neue Projekte und Ziele

Welche Projekte möchte ich? Welche Ziele will ich erreichen? Und was unterstützt mich dabei.

Neben allem unbedingt Lebensnotwendigem packt auch ein echter Gipfelstürmer immer ein, zwei Sachen in den Rucksack, die nicht dem purem Überleben dienen. Sondern der Motivation, oder der Erinnerung daran, wo man hin möchte und warum es sich lohnt, dafür auch harte Zeiten durchzustehen.

Motivation

Für manche ist das eine besondere Wandfarbe, für andere eine Skulptur, das Foto der Liebsten.

Für mich ist es eine Tüte Gummibärchen :-)

Ich hoffe Sie zum lächeln gebracht zu haben. Wenn Ihnen mein Blog gefällt,dann schauen Sie unbedingt nächsten Monat wieder rein.